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Händel meets Hermann

02.06.09 08:15

02-06-2009

Herbert Feuerstein, bekannt für seine humorvolle und eigenwillige Beschäftigung mit musikalischen Stoffen, führt als Erzähler durch die Arminius-Oper von Georg Friedrich Händel. 2009 treffen sich zwei Jubiläen. Vor 250 Jahren starb mit Georg Friedrich Händel der vielleicht bedeutenste Opernkomponist des Barock. Vor 2000 Jahren fand mutmaßlich die “Varusschlacht” statt.

Mitwirkende:
Herbert Feuerstein, Moderation
Kirsten Höner zu Siederdissen, Sopran, Tusnelda
Thomas Riede, Altus, Arminio
Henning Klocke, Tenor, Varo
Matthias Gerchen, Bass, Segeste, Tulio
Kammerchor der MarienKantorei Lemgo
Handel´s Company
Leitung: Rainer Johannes Homburg
Die Ausführenden
Herbert Feuerstein
Geboren 1937 im Bahnhofsgebäude von Zell am See (Österreich), in der Dienstwohnung seines Vaters, Fahrdienstleiter der eingleisigen Schmalspurbahn zu den Krimmler Wasserfällen. Genau so verlief auch sein weiteres Leben: Eingleisig, schmalspurig und mit Getöse nach unten. In Salzburg versuchte Herbert Feuerstein aufzuwachsen, wurde aber nur 1,65 m. (Zum Vergleich: Danny de Vito 1,58 m; Prince 1,60 m; Norbert Blüm 1,64 m.) In seiner Schulzeit galt er als Wunderkind: Alle wunderten sich, wie kindisch er war. Daran hat sich bis heute nichts geändert. 1956 Abitur, parallel zur Schule Musikstudium am Mozarteum (Klavier, Cembalo, Komposition), das 1959 wegen Beleidigung des Hochschulpräsidenten im "Linzer Volksblatt" mit dem Rauswurf endete - Feuersteins erfolgreicher Einstieg in den Journalismus. Daneben reges Interesse an der Medizin und Ausbildung zum staatl. geprüft. Hypochonder. 1960 bis 1969 in New York als Journalist (Tageszeitung und Hörfunk); dabei erste Begegnung mit der Satire - als Pressereferent im Österreichischen Generalkonsulat, wo er zuletzt einen Tag lang Beamter war (die Anstellung erfolgte nach dreijährigem Antrag im Herbst 1969, genau in der Woche seiner Abreise). Amerika-Korrespondent für die Zeitschrift "Pardon" und erstes Buch ("New York für Anfänger" mit Tomi Ungerer, 1969), für 30 Jahre auch sein letztes.
1969 zurück nach Frankfurt als Leiter des Satireverlags "Bärmeier & Nikel", der zwei Jahre später Pleite machte. Danach Macher und Chefredakteur des deutschen MAD (bis Ende 1991) mit insgesamt 5 Millionen Büchern und 50 Millionen Heften, was sowohl eine gute als auch eine schlechte Seite hatte. Die gute zuerst: Feuerstein hat damit rund eine Milliarde Lacher erzeugt. Die schlechte: Er ist mit schuld am Waldsterben (ca. 100.000 Bäume für das Papier).
Der Einstieg ins Fernsehen kam 1984 in der legendären Michael-Braun-Show (WDR 3), für die Feuerstein als Autor tätig war; daraus entstand eine kurzlebige eigene Sendung ("Wild am Sonntag", ARD), in der schon 1986 das Fernsehen von heute vorweggenommen wurde: Kaum Zuschauer bei irrsinnigen Produktionskosten. Daneben gab es mehrere Hörfunk-Serien von und mit Feuerstein bei den Privaten.
1990 folgte "Pssst..." - und damit die Begegnung mit Harald Schmidt. Es war Abneigung auf den ersten Blick, und damit die Grundlage einer fruchtbaren Zusammenarbeit: Feuerstein schuf das Konzept und Schmidt ignorierte es. So entstand "Schmidteinander" (50 Folgen). Danach begannen Feuersteins Lehr- und Wanderjahre: Als Kaiser im "Weißen Rössl" (Hamburg), als Frosch in der "Fledermaus" (Leipzig, 1995-97), als Kidnapper von Mutter Beimer ("Entführung aus der Lindenstraße", ARD), als Forscher und Entdecker in "Feuersteins Reisen" (9 Folgen, WDR) und "Feuersteins Tierversuchen" (WDR) und als Spartakus, der größte Stuntman der Welt ("Wochenshow", SAT 1), laut Feuerstein weniger eine Rolle als eine Lebensbeschreibung. Schließlich der Rekord im Dauernerven: "Feuersteins Nacht", zwei zwölfstündige Live-Sendungen im WDR (1997 und 1998), sowie "Feuersteins Morgengrauen", die ersten sechs Stunden des neuen Millenniums (Silvesternacht 1999, WDR). Und obwohl er immer wieder verkündet, mit dem Fernsehen Schluss zu machen, sehen wir ihn mehr denn je: In der Talkshow-Mühle, als Reporter im ARD-Morgenmagazin, als Gestalter der Fernsehporträts über Bastian Pastewka und Reinhold Messner, als Ratefuchs in "Was bin ich?", der Wiederaufnahme der ältesten Quizshow der Welt (150 Folgen, 2000 bis 2004 in Kabel1) sowie als regelmäßiger Gast bei "Genial daneben" (SAT.1). Außerdem zu sehen als Vergangenheitsbewältiger im Grimmepreis-gekrönten Fernsehfilm "Die Nachrichten" (2005, ZDF) und als "Rumpelstilzchen" in der gleichnamigen Fernsehparodie (2006, ProSieben), angeblich Feuersteins zweites Ich.

Ab Sommer 1998 richtiges Theater in der Rolle des gequälten Regisseurs Leon in "Liebe, Lügen, Lampenfieber" (Komödie, Berlin), gefolgt von Deutschland-Tournee (1999) und Gastspielen in Hamburg (2000) und Dresden (2004) mit insgesamt 200 Vorstellungen. Auch als Amtsdiener Frosch in der "Fledermaus" geisterte Feuerstein wieder über die Bühnen: 2002 im Bergtheater Thale sowie von 2003 bis 2005 an der Kölner Oper. Weil er den Rausschmiss aus der Musikakademie vor 40 Jahren nicht verkraften kann, macht Feuerstein seit sechs Jahren die Konzertsäle zwischen Bremen und Wien mit Klassik-Präsentationen unsicher, vor allem mit seinem Musikkrimi "MozartMordNacht", der allein im Mozartjahr 2006 mit verschiedenen Orchestern 20 Mal auf dem Programm steht. Dazu auch Fernsehkonzerte wie "Jugend musiziert", "Meister von Morgen" und "Ach Wolferl" (WDR und HR) sowie die Reihe "Opern ohne Sänger" und zahlreiche musikalisch-literarische Hörfunkprogramme (WDR "SpielArt"). Vokalsolisten…
Kirsten Höner zu Siderdissen, Sopran
1998 Unterricht (privat und Musikschule) in den Fächern Klavier, Gesang, Blockflöte, Trompete, Gehörbildung und Kirsten Höner zu Siederdissen, geb. in Herford,  nahm 1988-Musiktheorie und war 1988 - 1998 Mitglied des Bläserkreises und der Kantorei der Johanniskirche Herford. Sie ist mehrfach Preisträgerin bei Jugend musiziert. 1998 - 1999 ist sie Jungstudentin an der Hochschule für Musik in Detmold im Fach Gesang bei Frau Prof. Hildegard Kronstein -Uhrmacher und absolviert  1999 - 2002 ihr Gesangsstudium an der Hochschule für Musik  Detmold bei Prof. Kronstein-Uhrmacher und Prof. Thomas Quasthoff. Gastverträge am Landestheater Detmold in den Jahren 2001 - 2005 mündeten 2006 in Festengagement als Sopransolistin. Thomas Riede, Altus
Der Countertenor Thomas Riede wurde 1976 in Gotha/Thüringen geboren. Von 1990-94 besuchte er das „Landesgymnasium für Musik Wernigerode“ und sammelte hier erste sängerische Erfahrungen im berühmten „Rundfunk-Jugendchor“. Nach der Schulausbildung studierte er zunächst Schulmusik mit Hauptfach Gesang in Weimar. Ab Oktober 1997 nahm er ein Gesangsstudium an der Leipziger Musikhochschule auf. Zunächst erhielt der Sänger, damals noch im Baritonfach, Unterricht bei Jörn Dopfer. Etwa mit Beginn des Studiums probierte er sich auf Anraten eines Bekannten erstmalig in der Countertenorlage aus und wechselte bald darauf endgültig das Stimmfach. Diese Entscheidung zahlte sich schnell aus, denn bereits ein halbes Jahr später war er mit dem Vokalsextett „Die Weimarer Hofsänger“ Stipendiat des Deutschen Musikrates.
Von Ende 1998 an bis zum Examen 2003 studierte er bei Jitka Kovařiková.
Seit Ausbildungsbeginn ist der Sänger sowohl im solistischen als auch im Ensemblebereich tätig. Bei seinen solistischen Verpflichtungen spielen die Werke von Bach und Händel mit der Vielzahl von Messen , Oratorien und Kantaten eine zentrale Rolle. So ist er ein gern gesehener Gast bei den regelmäßigen Oratorien- und Messaufführungen der Kantoreien vorwiegend im mitteldeutschen Raum. In den Jahren 2007 und 2008 erhielt er zudem Einladungen zu den Bachfesten in Leipzig und Freiberg/(Sa.). Als Ensemblesänger arbeitet er regelmäßig unter anderem mit dem Collegium Vocale Gent, dem Kammerchor Stuttgart, der Lautten Compagney und der Wittenberger Hofkapelle zusammen. Seine Auslandsreisen führten ihn nach Italien, Frankreich, Belgien, Niederlande, Großbritannien, Kroatien und Ungarn. Meisterkurse bei Andreas Scholl und Axel Köhler ließen ihn seine sängerischen Fähigkeiten weiter vervollkommnen. Besondere Aufmerksamkeit widmet er dem deutschen Volkslied. Gemeinsam mit seinem Duo-Partner, dem Gitarristen und Lautenisten Thomas Höhne liegt ihm eine ursprünglich, schlichte und ungekünstelte Darbietung der alten und jüngeren Weisen sehr am Herzen. Das er auch komisches Talent besitzt, stellt er regelmäßig mit dem Vokalquintett „Die Spinnesänger“ aus Blankenburg/Harz unter Beweis.

Henning Klocke, Tenor
Henning Klocke begann seine sängerische Ausbildung am Hamburger Konservatorium bei Mark Bruce. Es folgte ein Gesangsstudium bei Professor Monika Bürgener an der Musikhochschule Würzburg, welches er mit Auszeichnung abschloss. Ergänzende Studien führten ihn zu Scot Weir, Christoph Prégardien und Barbara Schlick. Henning Klocke ist ein gefragter Interpret bei vielen internationalen Festspielen (Arolser Barockfestspiele, Festa da Música Lissabon, Fränkischer Sommer, Münchener Biennale, La folle Journée, Heidelberger Frühling, Bachwoche Ansbach, Shanghai Spring, Oktogonale Hamburg, Varaždin Baroque Evenings) und wirkte bei zahlreichen CD-, Fernseh- und Rundfunkeinspielungen mit. Sein Operndebüt gab er mit der Hauptrolle des Ruggiero in der Oper "La liberatione di Ruggiero" von Francesca Caccini im Münchener Staatstheater am Gärtnerplatz. Ein weiteres Interesse gilt der Kammermusik der Renaissance und des Frühbarock, aber auch dem romantischen Kunstlied fühlt er sich verpflichtet. Konzertengagements führten ihn nach Spanien, Portugal, China, in die Schweiz, Dänemark, Kroatien, Italien, Österreich und Holland. Matthias Gerchen, Bass
Matthias Gerchen wurde in Bremen geboren und begann während seiner Tätigkeit als Arzt mit der Gesangausbildung bei Prof. Carl-Heinz Müller in Hannover. Es folgten Studien bei Christof Stephinger und später bei Margreet Honig, Amsterdam, ergänzt durch Meisterkurse u.a. bei Ingrid Bjoner, Jessica Cash, Elio Battaglia und Josef Metternich. Mit seinem vielseitigen Repertoire von der Renaissance bis zur Moderne ist Matthias Gerchen ein weithin gefragter Konzertinterpret; neben der vokalen Ensemblemusik widmet er sich mit Vorliebe dem Liedrepertoire der deutschen und französischen Romantik. Auf der Opernbühne  war er in Werken von Mozart, Cavalli, Händel und Keiser zu sehen. Matthias Gerchen war Gast der Festivals in Brügge, Innsbruck, Melbourne, Berlin, Prag und Utrecht und arbeitete u.a. mit Dirigenten wie Martin Gester, Konrad Junghänel und Eduardo Lopez Banzo. Für verschiedene europäische Rundfunksender wie auch für CD hat er Werke von Bach, Biber, Brahms, Dvorak, Monteverdi und Strauss aufgenommen.
Matthias Gerchen war von 1997 bis 2001 als Gastprofessor an der Escola das Artes in Porto tätig und unterrichtet in Hannover und an der Hochschule für Künste in Bremen. Rainer Johannes Homburg (künstlerische Leitung und Dirigent)
Geboren in Gelsenkirchen, aufgewachsen in Brasilien und Wetter an der Ruhr, studierte Dirigieren, Kirchenmusik, Orgel, Musikwissenschaften und Philosophie in Köln und Detmold. Rainer Johannes Homburg ist seit 1992 Kantor und Organist an St. Marien in Lemgo, Leiter der MarienKantorei Lemgo sowie der Lemgoer Internationalen Orgeltage und Fachberater für Kirchenmusik in der Lippischen Landeskirche. 2002 wird er vom  Verband Ev. KirchenmusikerInnen in Lippe zum Kirchenmusikdirektor ernannt.
2006 erfolgt die Auszeichnung mit dem Ratssiegel durch die Alte Hansestadt Lemgo und dem „Stern des Jahres“ durch die Zeitungsgemeinschaft von Neuer Westfälischer, Haller Kreisblatt und Lippischer Landeszeitung, jeweils in Würdigung herausragender Leistungen im Kulturleben der Region Ostwestfalen.
2008 wird seine aktuelle CD mit dem ECHO-Klassik ausgezeichnet.
Dirigentisch ist er auch im Bereich der Neuen Musik engagiert. Eine intensive Zusammenarbeit verbindet ihn mit der Nordwestdeutschen Philharmonie Herford, Gastdirigate führten ihn u.a. zum Folkwang Kammerorchester Essen. Mit Handel´s Company widmet er sich der Erforschung Alter Musik. Auf den bisherigen CD-Aufnahmen ist Musik von Gottfried Heinrich Stölzel aus den Manuskripten des 18. Jahrhunderts erstmalig wieder zum klingen gebracht worden. Rainer Johannes Homburg veröffentlicht seine Aufnahmen bei MDG (Musikproduktion Dabringhaus und Grimm). Die letzte Veröffentlichung ist Ergebnis der Beschäftigung mit einem anderen Komponisten: Johann Caspar Ferdinand Fischer: Missa S. Michaelis Arcangeli etc., MDG 905 1477-6. Konzertreisen, Lehrtätigkeit und Aufnahmen für Rundfunk und Fernsehen runden das Bild seines Schaffens ab. 2008 übernimmt er einen Lehrauftrag an der Hochschule für Musik in Detmold.
Harry Hoffmann studierte Physik (Diplom) und Musikwissenschaft in Göttingen und Laute (Konzertexamen), Gesang und historische Aufführungspraxis in Bremen.
Seit etwa 20 Jahren wirkt er in zahlreichen Konzerten als Solist und Begleiter in den verschiedenen Bereichen der „Alten Musik“, und seit 1999 bestehen seine Barockorchester „Handel’s Company“ – mit Rainer Johannes Homburg - und BREMER RATSMUSIK, mit beiden Orchestern wurden in bisher etwa 120 Konzerten die wichtigsten Oratorien der Barockzeit aufgeführt. Harry Hoffmann konzipiert weiterhin Projekte, in denen Alte Musik mit Tanz und Schauspiel kombiniert wird und er war 2001 der musikalische Projektleiter der „Langen Nacht der Sophie Charlotte“ auf der Iburg im Landkreis Osnabrück.

Handel’s Company
Die Fomation wurde von Rainer Johannes Homburg und Harry Hoffmann mit dem Ziel exemplarischer Aufführungen Alter Musik von der Renaissance bis zur Frühklassik gegründet. Schwerpunkt von Handel’s Company sind dabei die weniger bekannten Orchesterwerke, aber auch die großen Oratorien – und nun auch Opern -  Georg Friedrich Händels, des Namensgebers des Orchesters. Klanglich setzt „Handel’s Company“ auf das opulente, rauschhafte Moment barocker Musik, der Klarheit der Emotionen und Affekte. Dabei ist die Nutzung der Instrumente der jeweiligen Epoche wie auch die Erforschung der jeweiligen Aufführungsgepflogenheiten selbstverständliche Voraussetzung. Ständiger Partner des Orchesters ist der Kammerchor der MarienKantorei Lemgo. Im Herbst 2004 und 2006 erschienen mit „Handel’s Company“ zwei auch international viel beachtete CDs mit Wiederuraufführungen von Musik von Gottfried Heinrich Stölzel, Kapellmeister am Gothaer Hof im 18.Jahrhundert (also einem Zeitgenossen Hasses und Händels). Während die erste CD in der Kulturbeilage des SPIEGEL empfohlen wurde, erhielt die zweite den Preis „CD of the Year 2006“ des polnischen High Fidelity Online Magazine. 2007 erschien als jüngste Veröffentlichung eine Aufnahme mit Werken Johann Caspar Ferdinand Fischers (J.C.F.Fischer: Orchestral and Choral Works, MDG 905 1477-6). Sie wurde 2008 mit dem ECHO-Klassik für die beste Aufnahme von Chormusik des 16. und 17. Jahrhunderts ausgezeichnet.
Historisches Schlaglicht (Rudolf Hüls)
„ARMINIO“ zur Musik Hasses und Händels

Die Ereignisse des Jahres 9 n. Chr. hat der römische Schriftsteller Cornelius Tacitus in seinen Annalen (ab excessu Divi Augusti) dargestellt. Dieses Werk war im Mittelalter verschollen und wurde erst Anfang des 16. Jahrhunderts im Kloster Corvey bei Höxter wiederentdeckt. Nach dem ersten Druck 1515, der im Auftrage des Papstes erfolgte, bemächtigten sich schon bald  protestantische Gelehrte der Figur des Arminius und stellten einen Bezug zu Martin Luther her: der „deutsche“ Cheruskerfürst wurde als Identifikationsfigur gegen den „römischen“ Papst gesehen.
In Frankreich, wo es im 17. Jahrhundert Mode war, Stoffe aus der Antike auf die Schauspielbühne zu bringen, schuf Jean Galbert de Campistron (1656-1723) eine Tragödie Arminius in fünf Akten (mit glücklichem Ausgang!), die am 19. Februar 1684 in der Comédie Française erstmals aufgeführt wurde. Sie bezieht ihre Spannung aus der – unhistorischen – Ausgangssituation, dass Varus und Arminius gleichermaßen in Tusnelda verliebt sind.
Der Florentiner Hofpoet Antonio Salvi adaptierte dann 1703 den Stoff in drei Akten für die Opernbühne in Pratolino (bei Florenz), die unter der Protektion des musikbegeisterten Erbprinzen Ferdinando de´Medici (III.) stand. Im Sinne der zu dieser Zeit höchst aktuellen Opernreform des Apostolo Zeno (1668-1750)  straffte er im Arminio das Handlungsgerüst und reduzierte die Personenzahl. Die Szenen sind durch Rezitative und Abgangsarien gekennzeichnet. So kommt Salvi  mit sieben Rollen aus (Arminio, Tusnelda, Segeste, Varo, Sigismondo, Ramise und Tullio). Im entscheidenden Moment befreit Sigismondo, der Sohn des Segeste und Liebhaber von Arminius´ Schwester Ramise den schon gefangenen Helden, der dann Varo die Niederlage zufügen kann und am Ende für Versöhnung innerhalb seiner Familie sorgt.
Die Musik stammte von keinem Geringeren als Alessandro Scarlatti (1660-1725), der auch 1714 in Neapel und 1722 in Rom dirigierte. Dessen Komposition ist jedoch weitestgehend verloren, sodass wir Salvis – inzwischen leicht veränderten – Text hauptsächlich in der 1636 innerhalb eines Monats (15. September bis 14. Oktober) entstandenen musikalischen Fassung Georg Friedrich Händels kennen. Diese wurde am 12. Januar 1737 erstmals im Theater von Covent Garden mit Domenico Anibali in der Titelrolle aufgeführt und kam auf fünf Wiederholungen (15., 19., 22., 26. Januar und 12.Februar). Für unsere Zeit wiederentdeckt hat sie Alan Curtis mit einer CD-Einspielung aus dem Jahre 2001 (Complesso Barocco).
Bereits am 28. August 1730 hatte Johann Adolf Hasse eine von ihm in Noten gesetzte Version des Salvi-Librettos in Mailand in Anwesenheit des kaiserlichen Gouverneurs Wirich Graf Daun dirigiert, dabei sang seine Frau Faustina Bordoni, die er kurz zuvor in Venedig geheiratet hatte, die Tusnelda. Fünfzehn Jahre später stand sie am 7. Oktober 1745 in Dresden mit derselben Rolle wieder auf der Bühne, doch diesmal hatte ihr Mann ein Libretto des Dresdener Hofpoeten Giovani Claudio Pasquini (1695-1763) vertont. Dieses Libretto mit etwas veränderten Rollen (auf Ramise wird verzichtet, dafür erhalten Varo eine Schwester Marzia und Tusnelda einen Bruder Segimero) trug schon deutlich nationalere Züge, huldigte dem Sachsenkönig August II. und erhielt dadurch auch eine antipreußische Tendenz. Doch als dieser gegen Ende des Jahres aus seiner Hauptstadt Dresden von den Preußen vertrieben wurde, gefiel Friedrich dem Großen das Stück so sehr, dass es Hasse für ihn an Ort und Stelle am 18. Dezember noch einmal erklingen lassen durfte. Von dieser Version, die dann 1746 in Berlin, 1747 in Wien und 1753 (in einer revidierten Fassung) nochmals in Dresden aufgeführt wurde, existiert eine vollständige Partitur, sodass auch diese Musik heute noch spielbar ist. Die Musik führen Handel´s Company auf historischen Instrumenten und der Kammerchor der MarienKantorei Lemgo auf, dazu kommen Solistinnen und Solisten. Aktuelles Schlaglicht
Italienische Libretisten setzten gemeinsam mit deutschen Komponisten gerade den Arminius-Stoff um, der eigentlich von einem beide Völker trennenden Krieg handelt, zudem als Mythos eine wichtige Grundlage der deutschen  Reichgründung 1870/71 ist. Dies wird im zusammenwachsenden Europa des Jahres 2009 zum Symbol: Die Kultur des Barock war bereits eine europäische, die Kommunikation der Künstler damals wird zum konstruktiven Hoffnungslicht am Ende des Tunnels der Europäischen Einheit.
Stichworte zum Programm
Georg Friedrich Händel starb 1759 – vor 250 Jahren – in London. Geboren wurde er 74 Jahre zuvor in Halle/Saale. 1727 in England naturalisiert, wurde er zum ersten deutschen Musiker von Weltruf. Seine Musik  - die Schaffensschwerpunkte sind Oper und Oratorium – durchdringt die Nationalstile Englands, Frankreichs, Italiens und Deutschlands. Johann Adolph Hasse, geboren 1699 in Bergedorf bei Hamburg, wurde insbesondere durch die Komposition von etwa 60 Opern zu einer der herausragenden Musikerpersönlichkeiten im Europa des 18.Jahrhunderts. Er wirkte dreißig Jahre als Direktor der Dresdener Oper, ließ sich dann in Wien und schließlich in Venedig nieder, wo er 1783 im hohen Alter von 84 Jahren starb.
                                                
Diese Homepage wurde von LTM AG – Hermannbüro erstellt. Letzte Aktualisierung am 19.04.2010